Freitag, 24. August 2007

Neues von der Post...


Vor einiger Zeit hatte ich mich auf eine Vikarstelle in der Post in Kristiansand beworben. Nach einigem Hin & Her mit meinem Vertrag bei der Post, der mich wissen liess, dass ich keine "fest Angestellte" bin sondern nur "voruebergehend" einen Arbeitsvertrag mit der norwegischen Post habe und somit auf intern ausgeschriebene Stellen mich nicht bewerben duerfte, war ich dann doch letzte Woche in Kristiansand und habe dort mit der Chefin gesprochen. Die Vikarstelle sollte zu 50% besetzt werden und war auf ein Jahr befristet. Nach diesem Jahr kann man dann in sein "altes" Postkontor zurueck gehen, wenn die Stelle nicht doch noch verlaengert wird. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung und um den Bewerbern eine 50% Stelle schmackhaft zu machen, wurde auch mehr Lohn gezahlt. Super fuer mich: mehr Geld fuer eigentlich die gleiche Stelle wie in Vennesla, kein weiter Fahrweg mehr und nur 2 Samstage (jetzt sind es 3) im Monat arbeiten. Aber der Haken, dass ich fuer die Stelle eigentlich nicht eingesetzt werden kann, da eben "nur midlertidig ansatt", machte die Hoffnung nicht sehr gross. Nun, dennoch in das Buero der Chefin zum Jobbintervju eingeladen zu werden nach meiner norwegischen Bewerbung, machte mich schon stolz. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass die Post in Kristiansand ein paar Nummern groesser ist als unser gemuetliches Kontor in Vennesla. Tja, entweder oder ... Am Tag bis zu 400-600 Kunden (und das ist normal...), immer eine Schlange, kein Kaffee mal zwischendurch, Unterhaltungsmedien und Postprodukte sollten taeglich ordentlich verkauft werden (jeder hat sein Pensum, das zu erreichen ist) und Bankprodukte/sparprodukte soweit schmackhaft machen, dass die Kunden Interesse an einem Gespraech mit dem Finansrådgiver von der Postbank haben. Okay, diese Details sind mir ja auch schon aus Vennesla bekannt und kønnen auch, wenn ordentlich was los ist, teiweilse umgesetzt werden:-) Aber in Kristiansand ist das Pensum høher, der Stress groesser und eigenverantwortliches Arbeiten sehr wichtig. Und neben deutsch ist auch englisch gefragt. Kein Problem fuer Claudia:-) Ich wollte es riskieren. Was hatte ich schon zu verlieren?! Das Jobbintervju lief ganz gut und nun wartete ich auf eine Meldung. Ich wusste, dass auch andere fest Angestellten noch Vorstellungsgespraeche hatten.

Nun erreichte mich vor 2 Tagen eine Mail von der Chefin aus Kristiansand. Aus kostentechnischen Gruenden wird die Stelle auf Eis gelegt. Der Gewinn der Post hat sich im Gegensatz zum letzten Jahr verschlechtert und nun ist Kosteneinsparung angesagt. Davon sind auch alle intern ausgeschriebenen Stellen betroffen, egal ob Kundenbehandler oder voruebergehende "Kurzstellen". In der internen Postzeitung steht auch, dass alle geschaeftlichen Reisen und Besprechungen wegen der Reise- und Uebernachtungskosten eingegrenzt werden sollen. Telefonkonferenzen sollen das ersetzen. Auch die Postzusteller (Distribusjonsnett/Omdeling) ist betroffen. Bereits geplante Versammlungen, die durchaus zum guten Klima untereinander beitragen, werden sofort abgesagt und duerfen so nicht mehr stattfinden. Das alles geschuldet ist der im letzten Jahr eigenen angeschaffenen Fluglinie der Post sowie steigenden Transportkosten. Die Preise der Post wurden bereits im April raufgesetzt, die naechste Aenderung ist im August eingetreten und im Oktober gehts dann noch weiter nach oben.
Nur am Rande:
die Postmitarbeiter bekommen keinen Rabatt beim Versenden von Briefe und Pakete ... aber ins Brillenland kønnen wir gehen und uns ein Gestell fuer weniger Geld aussuchen .... na ist ja auch wichtig fuer das Aufkleben der richtigen Marke:-)
Die Einfuhr der eigenen Fluglinie war notwendig, da die Zusammenarbeit mit SAS (Scandinavian Airlines) zu haeufigen Verspaetungen gefuehrt hat und somit die Qualitaet der Post in Gefahr war. Auch hier schlaeft die Konkurrenz nicht. Sie kommt zwar langsam, aber sie naht mit gut durchdachten Schritten. Steigende Transportkosten - nun da kenn ich leider die Gruende nicht. Welche Transporte und betreffen diese nur die innlændischen Kosten? Aber auch hier sieht man, dass erstmal am Personal gespart wird. Die Menschen kosten also immer noch das Meiste und dort kann man schnell den Hahn zu drehen. Staatliche Unternehmen, wie Posten Norge AS, in Norwegen zahlen nicht unbedingt viel Geld an ihre Angestellte. Ich waage da mal einen Vergleich mit der Baubranche. Ein Maurer mit Fachbrief kann hier bis zu 200 NOK (ca 25 EUR) die Stunde verdienen. Lassen wir mal den Fachbrief weg, sind auch 170 NOK ok. Dazu gibts halbjaehrlichen Bonus und regelmaessige Feste fuer gelungene Projekte. Haelt die Mannschaft zusammen. Kostet dennoch Geld und das nicht wenig.
Ueberstunden werden von 50% bis zu 100% bezahlt und muessen auch nicht gemacht werden. Jeder darf freiwillig entscheiden. Nun ist aber auch gerade starker Boom in der Baubranche. Die norwegische Krone fliesst an jeder Stelle und das fuer die naechsten Jahre.

Meine Wenigkeit bekommt fastlønn nach Tarif und die Ueberstunden mit 137 NOK (ca 17 EUR) bezahlt. Nun das ist immer noch mehr als wenn ich im Supermarkt arbeiten wuerde (und die Armen da haben es immer kalt wegen der Kuehlung und haben Arbeitszeiten bis 22 oder 23 Uhr ...). Mahlzeiten bei Besprechungen fallen klein aus, gemeinsame Ausfluege gibts nur auf eigene Kosten und eine Beteiligung an den Fahrkosten ist gar nicht zu denken. Ich weiss, in Deutschland verdient kaum jemand 17 EUR die Stunde, aber es ist auch zu bedenken, dass wir 25% Mehrwertsteuer zahlen und die Kosten ueber das doppelte betragen.

Also Staat und Privat liegt hier weit auseinander. Vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen. Der Bau ist auch gerade das grosse Sorgenkind. Ueberall soll noch mehr entstehen, mehr Industrie, mehr Einkaufscenter und noch mehr leiligheter und enebolig. Es kommen ja auch immer mehr Menschen, ob nun Norweger oder Auslaender. Gerade hier im Sueden merkt man das sehr stark. Waelder werden abgeholzt und moderne Wohnungen hingebaut. Passt nicht in das schøne Naturbild und alles viel zu klein und die Preise zu teuer.

Also auch hier glaenzt nicht alles. Langsam hab ich eher das Gefuehl, dass sich langsam die Spiralle anfaengt zu drehen, die bereits in Deutschland am Laufen ist. Vi skal se - wir werden sehen.Im September sind hier Kommunalwahlen, ich bin gespannt was dabei rauskommt. Wir muessen erst 3 Jahre hier wohnen, dann haben wir auch das Recht an die Wahlurne zu treten.

Zurueck zur Post: Nun bleibe ich also erstmal in Vennesla und arbeite dort meine eigentlichen 50 % weiter mit ueber 120 % :-) Die Jobanzeigen werden weiter gewælzt um auf den laufenden zu bleiben. Mein Traum ein kleines Cafe aufzumachen mit vielen Buechern zum Lesen und Schriftstellern die kommen und Lesungen halten,ist im Hinterkopf aber dafuer sollte ich mal langsam Lotto spielen oder beim Pferderennen setzen ( 17jæhrige gewann 43 mill.!).






[Kilder: Postavisen 12/2007, Fædrelandsvennen, Aftenposten]


Keine Kommentare: