Dienstag, 5. Februar 2008

Die Post macht "dicht"

Keine Namen an norwegischen Briefkaesten
Farbige Wegweiser zu den Tieren im Zoo.

Eine solche "Aufteilung" auch bald im norwegischen Postsystem?




Nach langem Aufschieben hat nun das Samferdselsdepartement (norwegische Verkehrsministerium) mitgeteilt, dass in Norwegen weitere 124 Postkontore bis 2010 geschlossen und zu Post i Butikk umgewandelt werden. Von solch eine Umlegung sind ungefaehr 650 Angestellte betroffen. Vor ca 6 Jahren wurden ungefaehr 800 Postkontore geschlossen.


Diesmal sind viele Kontore im Rogaland (Jørpeland, Sola etc.) betroffen. Aber auch im Sørlandet wird es bald die Post-Damen nicht mehr geben. Kontore in Farsund, Lyngdal, Vågsbygd, Vennesla und die Niederlassung im Sørlandssenteret (Sørlandsparken Kristiansand) werden geschlossen.
Die Post bietet seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit der Postbank auch dessen Bankdienste an. Ein kontinuierlicher Rueckgang von Einzahlungen, Auszahlungen und Ueberweisungen ist weiterhin zu verzeichnen. Auch Briefsendungen nehmen ab.

Post i Butikk ist in Deutschland auch schon bekannt. Ein kleiner Schalter der sich in einem ganz normalen Supermarkt befindet, soll die Post ersetzen. Hier ist es natuerlich auch møglich, Pakete aufzugeben, zu empfangen und Geldangelegenheiten in der gekuerzten Ausgabe zu erledigen. Hierfuer stehen dem Kunden freundliche Automaten zur Verfuegung. Das weitere Pluss: Die Supermaerkte haben hier teilweise bis 23 Uhr geøffnet. Paket abholen auch nachts møglich. Was fuer Møglichkeiten :-)

Selbstverstaendlich war klar, dass Norwegen sein Kind "Post" wieder mal økonomisch ueberdenken muss. Nicht zu letzt da Konkurrenzfaehigkeit angesagt ist, wenn sich 2011 auch hier das Monopol Post zerschlaegt. Und Konkurrenzfaehigkeit heisst nicht im ersten Sinne Qualitaet, sondern Geld sparen. Das kenne ich ja bereits aus einem anderen Land :-)

Schwarzer Humor ist auch angesagt, wenn ich den Kunden der Postbank Internetbanking, telefonische Ueberweisung und Briefgiro empfehlen soll/will, da diese Dienste bei uns am Schalter extreme Gebuehren erreicht haben (2001 kostete eine Ueberweisung 23 NOK Gebuehr, heute sind es 65 NOK). Wer kann, schafft sich einen Ueberblick zu Haus, wer nicht, muss zahlen. Wenn dann 60% Kundschaft ausfallen, fallen auch die entsprechenden Extra-Einnahmen weg, die uns unterem anderem gesicherte Arbeitsplaetze schaffen. Die Bank "verdient" weniger, die Arbeit wird geringer und es kann eingespart werden.
Oder hab ich das falsch verstanden?

Der Wegfall der 123 Postkontore wird gerade damit erklaert. Da lacht sich doch der Angestellte von Post und Postbank eins. Empfehlen, serviceorientiert arbeiten und hoffen, dass alle zu Haus bleiben und nur noch das Internet nutzen - super - ich bin mein Arbeitsplatz los ?!

Letztes Jahr hatte das Postkontor Vennesla 125 jaehriges Bestehen - gewuerdigt mit eigener Briefmarke! Da bringt es auch nichts, dass wir seit Wochen beim Verkauf von Waren und Postprodukten an erster Stelle steht. Und vom Paketvolumen das Kontor aus den Naehten platzt. Schliesslich kann man im Internet auch viel bestellen. Die Einwohnerzahl in der Vennesla Kommune waechst seit ca 2 Jahren, das Zentrum wird ausgebaut, neue Wohnsiedlungen entstehen. Die Post macht zu.
Ja auch hier ist oft Kopfschuetteln angesagt.

Das Konzept Post i Butikk hat sich aber nun mal bewaehrt, die Kunden - auch die Aelteren - gewoehnen sich daran oder finden Hilfe bei ihren Kindern. Und wenn das nicht geht, wird eben die Bank gewechselt. Damit ist doch allen geholfen.

Um die Schliessung der 124 Postkontore ordentlich und qualitativ unbeschadet ueber die Buehne zu bringen, wird das norwegische Parlament bis Sommer 2008 einen entsprechenden Plan vorlegen. Die Post hat schon vorgesorgt und fuer die Angestellten POSTENS NYE NETTSTRUKTUR-PNN im Intranett geschaffen. Somit bleiben wir alle informiert. Auch bei uns sind Abkuerzungen in.

Sofern sich 2011 das Postmonopol øffnet, wird es sicher berechtigterweise andere Anbieter geben mit besseren Preisen (und somit schlechteren Lohn). In den Grosstaedten wird diese Konkurrenz wie aus dem Boden spriessen. Aber wer wird den unseriøsen Norden beliefern? Lange Wege, Haeuser die keine Strassennamen haben, wo ein das Fahrrad nicht mehr hintraegt, die Fluege immer mal verspaetet sein werden, da sich das Wetter aus konkurrenzfaehigen Preisen nichts macht.
Gerade auch bei diesem Thema verliert Posten Norge AS viel Geld und im Ganzen gesehen, bleibt es ein Minusgeschaeft. Daher braucht es das Standbein in der Stadt. Keine Frage, dass immer mal geschaut werden muss, wo man effektiv sparen kann.
Meine Meinung ist weiterhin, dass das Einsparen an Mitarbeitern keinem weiterhilft: Reise- und Wegkosten sind gestrichen, Ueberstunden werden ab erst ab einer bestimmten Anzahl von gesammelten Stunden bezahlt, keine Weihnachtsfeiern mehr, generell sind soziale Zusammenkuenfte einzuschraenken, Dienstbesprechungen nach 8 stuendiger Arbeit ohne bezahltes Essen und kaum Aufmerksamkeiten, wenn der Umsatz im Kontor stimmt.
Super wie motiviert alle da an den Job gehen, sich jeden Tag freuen aufzustehen und auch bereit sind an den wirklichen Ecken zu sparen.

Oder kommen "nur" die Mitteilung auch hier von der Chefetage falsch an und ich verstehe diese Sprache so schlecht?

Also Norwegen auch hier kein Schlaraffenland - nicht so lange es um Arbeitsplaetze von staats- und kommuneeigene Unternehmen handelt.

Das hab ich nun auch gelernt.

[Gern wuerde ich euch deutsche Pressemeldungen zur Verfuegung stellen, fand aber bei Google nichts entsprechendes. Also wenn jemand einen entsprechenden Link kennt, dann bitte an mich senden. Danke.]



Pressemeldung NRK

1 Kommentar:

jo_potsdam hat gesagt…

Hallo Claudia,

die Suche über http://news.google.de bzw. http://news.google.com hat nichts gebracht, aber hier hab ich einen englisch sprachigen Link bei paperball.de zu Deinem Thema gefunden:

Aftenposten:
http://www.aftenposten.no/english/local/article2231547.ece

Liebe Grüße
Jens